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Neben der Temperatur ist das
Licht der wichtigste bestimmende
Faktor für ein optimales Pflanzenwachstum. Die Helligkeit oder
Beleuchtungsstärke wird in Lux (lx) gemessen. Dieser Wert gibt die
Intensität an, mit der eine Fläche beleuchtet wird. Zur Ermittlung der
Beleuchtungsstärke bedient man sich eines Luxmeters. Als untere Grenze für
ein einigermaßen normales Wachstum gelten für nordostaustralische Drosera,
Nepenthes, winterharte Pinguicula und Utricularia ca. 2.500 lx. Alle anderen
Gattungen bzw. Arten sollten mindestens 3.000-3.500 lx bekommen. Die
gewünschte schöne Ausfärbung der Pflanzen erreicht man aber oftmals erst ab
etwa 7.000 lx.Wer ein freistehendes Gewächshaus
sein Eigen nennt, braucht sich in der Regel über zu geringe Lichteinwirkung
keine Gedanken machen. Höchstens in den Wintermonaten kann unter Umständen
eine Zusatzbeleuchtung erforderlich werden. Das Gleiche gilt für diejenigen,
die ihre Pflanzen in der Wohnung auf der Fensterbank stehen haben, vorausgesetzt, die
Himmelsrichtung stimmt und die Fenster werden nicht durch andere Häuser oder
Bäume beschattet.
Hierzu ein Beispiel: Wir messen an einem leicht bewölktem
Tag Anfang Mai um die Mittagszeit direkt hinter der Fensterscheibe. Die
Helligkeit beträgt im Freien über 30.000 lx. Am Südfenster zeigt das
Messgerät fast den gleichen Wert an. Hinter einem Westfenster sind es
immerhin noch 22.000 lx. Ein in die gleiche Richtung zeigendes Fenster, das
aber durch Bäume und einen hervorstehenden Balkon beschattet wird, erweist
sich mit gerade mal knapp 2.500 lx als das dunkelste Fenster der ganzen
Wohnung. An den beiden Ostfenstern messen wir 4.500 bzw. 5.500 lx. Die
differierenden Werte kommen durch die unterschiedliche Schattenwirkung eines
etwa 20 m entfernt stehenden mehrstöckigen Hauses zustande. Noch günstige
Werte ergeben sich mit annähernd 10.000 lx hinter dem freien Nordfenster.
Wichtig zu wissen ist, dass die Beleuchtungsstärke in den Raum hinein rapide
abnimmt. Auch die Tageslichtdauer spielt eine ganz erhebliche Rolle für das
Wohlbefinden und die Blühfähigkeit der Pflanzen. Tropische Arten, die am
Naturstandort ganzjährig etwa 12 Stunden Tageslicht täglich bekommen,
sollten bei uns in den Wintermonaten mit nur ca. 8-9 Stunden Lichteinwirkung
und oft dazu trüben Wetter unbedingt zusätzlich beleuchtet werden. Für weit im Raum stehende Zimmervitrinen ist eine sehr gute, dauerhafte
künstliche Beleuchtung ebenfalls unumgänglich.
Dass die Pflanzen auf Licht reagieren, sieht man schon an ihrem
zielgerichteten Wachstum der Sonne entgegen. Der Botaniker
bezeichnet dies als Phototropismus oder Lichtwendigkeit.
Falsch wäre es nun mit Hilfe eines Belichtungsmessers verschiedene
Lichtquellen miteinander vergleichen zu wollen, also etwa Tageslicht mit
einer Glühbirne. Dabei blieben die unterschiedlichen Spektralbereiche
unberücksichtigt. Das von den Pflanzen nutzbare, physiologische Licht
erkennt man so nicht.
An dieser Stelle sei auf den Zusammenhang zwischen Licht und
Temperatur hingewiesen. Jede Pflanze benötigt eine bestimmte Menge Licht, um
wachsen zu können. Mit Hilfe des Lichtes wird das aus der Luft aufgenommene
Kohlendioxid in pflanzeneigene Substanzen umgewandelt, ein Vorgang, der
Photosynthese oder Assimilation genannt wird. Da der Vorgang lichtabhängig
ist, kann er nur am Tag erfolgen. Nachts werden die gebildeten organischen
Substanzen zur Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge zum Teil wieder abgebaut
(Dissimilation). Um wachsen zu können, muss eine Pflanze also am Tag mehr
produzieren, als nachts verbraucht wird. Steht sie zu dunkel, kann sie auch
nur wenig produzieren. In diesem Fall ist es notwendig, dass die Temperatur
nachts im unteren Bereich dessen liegt, was für die Pflanze gerade noch
erträglich ist. Dies hat folgenden Grund: Der nächtliche Abbau ist ein
biochemischer Prozess und damit wie jeder chemische Vorgang in seiner
Geschwindigkeit von der Temperatur abhängig. Je wärmer es ist, umso
schneller erfolgt er. Hierdurch wird deutlich, dass die optimale
Nachttemperatur niedriger sein muss, als die Tagestemperatur. In der Regel
genügen 3-4° C, wir empfehlen jedoch bei tropischen Arten 5° C, bei
temperierten Arten 6° C und bei winterharten Arten 8° C Unterschied.
Den umgekehrten Fall, ein Zuviel an Licht, gibt es nicht! Die
angeblichen Schäden durch zuviel Lichteinwirkung werden nicht durch das
Licht, sondern durch eine zu große Wärme verursacht. Der Grund für die
starke Erwärmung ist der so genannte Glashauseffekt: Kurzwellige
Lichtstrahlen werden beim Durchdringen von Glasscheiben und auch
Kunststofffolien in langwellige Wärmestrahlen umgewandelt. Die Pflanzen
schützen sich zwar vor zu großer Hitze durch Wasserverdunstung, aber dennoch
kann die Pflanzentemperatur weit über die umgebende Lufttemperatur
ansteigen. Ein deutlicher Zusammenhang besteht
zwischen Wärmeverträglichkeit und der
Luftfeuchtigkeit. Je höher die
Luftfeuchte ist, umso mehr Wärme kann eine Pflanze ohne Nachteile
aushalten. Dazu muss man aber wissen, dass eine erheblich größere Menge
Wasser benötigt wird, um stark erwärmte Luft zu durchfeuchten. Für je 10° C
Erwärmung muss die Wassermenge etwa verdoppelt werden. Sporadisches
Besprühen der Pflanzen nützt hier also nichts. In diesem Fall ist ein
leistungsstarker Luftbefeuchter unbedingt erforderlich. Als Faustregel
sollte die Luftfeuchte etwa dreimal so hoch wie die Temperatur sein. Bei
starker Sonneneinwirkung werden zur Ermittlung des Wertes 8° C, bei mäßiger
Beleuchtung 4° C hinzugerechnet.
Beispiel: Die angenommene Temperatur beträgt bei bewölktem Himmel 18° C. Wir
rechnen 18 + 4 = 22, dann 22 x 3 = 66. Die optimale Luftfeuchtigkeit beträgt
in diesem Fall also ca. 66%.
Ob Gewächshaus oder Zimmervitrine - Thermometer und Hygrometer zur
Temperatur- und Luftfeuchtemessung sind ein unabdingliches Muss für jeden
Pflanzenliebhaber. Kommen wir nun zum "Licht aus der
Steckdose" - besonders wichtig für diejenigen, die die so genannte
Kellerkultur betreiben und gänzlich auf Kunstlicht angewiesen sind. Zur
Ermittlung der Beleuchtungsstärke einer künstlichen Lichtquelle kann wieder
der Belichtungsmesser dienen. Man kann die Beleuchtungsstärke auch
ausrechnen, doch das ist kompliziert, da verschiedene Faktoren, wie der
Reflektionsgrad, die Entfernung zwischen Lampe und Pflanzen, die zu belichtende Fläche,
der Leistungsrückgang durch Alterung der Lampe usw. zu berücksichtigen sind.
Zur Alterung von Leuchtstoffröhren sei angemerkt, dass sie schon nach etwa 6
Monaten nur noch ihre halbe ursprüngliche Leuchtkraft erreichen. Spätestens
nach einem Jahr sind sie für unsere Zwecke unbrauchbar (Ausnahme: TRUE-LITE).
Man gewinnt aber eine ungefähre Vorstellung von der erreichbaren
Beleuchtungsstärke, wenn man die installierte Lampenleistung (Watt) auf den
Quadratmeter umrechnet: Bei einer Aufhanghöhe von ca. 25 cm über den
Pflanzen lassen sich mit den üblichen Leuchtstoffröhren bei 40 W/m2
rund 750 lx, bei 70 W/m2 etwa 1.500 lx und bei 150 W/m2
etwa 5.000 lx erzielen. Für 7.000 - 10.000 lx braucht man schon rund
250 - 300 W/m2.
Vorteilhaft sind Röhren mit einer halbseitigen Reflektorschicht in der
Röhre. Das Lichtvolumen ist dadurch zwar etwas geringer, aber es wird
zielgerichtet nach unten auf die Pflanzen gerichtet, statt im Raum zu
zerstreuen. Leider gibt es nicht alle Lichtfarben mit Reflektorschicht.
Einen ähnlichen Effekt kann man aber dadurch erzielen, in dem man die Röhren
auf ein größeres Brett montiert, das zuvor mit einer Spiegelfolie beklebt wurde.
Um eine gleichmäßige Helligkeit zu erzielen, sind bestimmte Abstände von
Lampe zu Lampe erforderlich: Bei 30 cm Aufhanghöhe über den Pflanzen 30 cm,
bei 50 cm Höhe etwa 35 cm und bei 70 cm Höhe rund 50 cm. Kleinere Abstände
sind natürlich möglich, wenn eine größere Beleuchtungsstärke benötigt wird.
Bei Lampen ohne Reflektor oder untergeklebter Spiegelfolie betragen die
Abstände bei den genannten Aufhanghöhen 50, 80 und 115 cm, jedoch werden
meist mehr Lampen benötigt, um die erforderliche Helligkeit zu erreichen.
Eine weitere Möglichkeit für eine künstliche Beleuchtung sind
Natriumdampf - Hochdruckstrahler. Die speziell für den Gartenbau
entwickelten 400 W Strahler mit Reflektorgehäuse bieten eine von anderen
Lampen unerreichte Lichtausbeute und sind damit für Gewächshäuser sehr zu
empfehlen. Ein einziger Strahler beleuchtet eine Fläche von etwa 3 x 5 m in
ausreichender Intensität! Auch das gebotene Lichtspektrum ist gut,
vorausgesetzt, man nimmt nicht die üblichen gelben, sondern die blaukorrigierten weiß leuchtenden Lampen. Diese Strahler sind aber im
Vergleich zu anderen Strahlern und besonders zu Leuchtstoffröhren sehr viel
teuerer in der Anschaffung. Zudem strahlen sie sehr viel Wärme aus und sind
damit für eine Anbringung in der Wohnung ungeeignet. Inzwischen gibt es
jedoch auch Natriumdampf - Hochdruckstrahler mit geringerer Wattleistung und
kleineren Abmessungen. Diese sind durchaus auch im Wohnbereich einsetzbar,
vor allem für hohe Vitrinen, die z.B. mit Nepenthes besetzt sind.
Alle anderen im Handel angebotenen Strahler, auch die speziell als
Pflanzenstrahler deklarierten Leuchten, sind ungeeignet. Sie sind alle im
Verhältnis zur gebotenen Leistung viel zu teuer und bieten in den meisten
Fällen auch kein günstiges Lichtspektrum. Im Wohnbereich sollten daher in
der Regel nur die oben schon genannten Leuchtstoffröhren zum Einsatz kommen.
Die optimale Leuchtstoffröhre ist die aus den USA stammende
TRUE-LITE Röhre, die inzwischen jedoch in Schweden gefertigt wird. Diese Fluoreszenzlampe produziert mit 5.500°
Kelvin ein nahezu identisches Tageslicht einschließlich des UV-Bereiches. Das ist ein interessanter
Punkt, da Fensterglas fast 80% und Acrylglas je nach Herstellungsart um die
20% der UV-Strahlen absorbieren. Ein weiterer Vorteil der TRUE-LITE ist die
lange Brauchbarkeit der Röhren. Nach 6.000 Brennstunden ist erst ein
Leistungsabfall von ca. 15% zu verzeichnen. Nachteilig ist leider der
relativ hohe Preis (Bezugsquelle: z.B.
www.naturlicht.de). Aber auch mit "normalen" Röhren
kann man gute Ergebnisse erzielen. Wichtig ist jedoch, dass man die auf den
Röhren neben der Wattleistung angebrachte Lichtfarbe beachtet. Die
Lichtfarbe gibt das Farbspektrum wieder. Das ist wichtig, da einige Farben,
auch wenn sie für das menschliche Auge erkennbar sind, bei Pflanzen
überhaupt keine Wirkung zeigen und verschiedene andere Lichtwellen zu
bestimmten Gestaltsausprägungen der Pflanzen führen. So bremsen z.B.
blauviolette und hellrote Strahlungen das Wachstum und tiefrote Strahlen
beschleunigen es. In jahrelangen Versuchen haben wir viele verschiede Lichtfarben getestet und möchten ihnen zu ihrer Hilfe
nachfolgend die besten Leuchtstoffröhren in der Reihenfolge der Brauchbarkeit nennen.
Da wir natürlich nicht alle erdenklichen Lichtfarben der verschiedensten
Hersteller testen konnten, erhebt die Auflistung kein Recht auf
Vollständigkeit.
Rangfolge: TRUE-LITE, dann die Lichtfarben 22, 30, 32, 77, 33, 25, 36, 19
und 12.
Bei den Röhren mit der Lichtfarbe 77 handelt es sich um spezielle
Pflanzenleuchten (Fluora) der Fa. Osram. Sie sind durchaus brauchbar, aber
dennoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da sie durch ihr rosa-violettes
Licht die Pflanzenfarben und insbesondere die Blütenfarben deutlich
verfälschen.
Werden mehrere Leuchtstoffröhren nebeneinander angebracht, sollte man
verschiedene Lichtfarben miteinander kombinieren, um die Wirkung noch zu
verbessern. Die beste von uns getestete Kombination bei z.B. drei benötigten
Röhren ist: zwei Röhren Farbe 22 / eine Röhre Farbe 30. Das Ergebnis ist
besser, als mit drei Röhren der Farbe 22. Brauchbare Kombinationen sind aber
auch 1 x 22 / 1 x 25 / 1 x 30 oder 2 x 25 / 1 x 32.
Damit keine Missverständnisse entstehen: Selbstverständlich wachsen Pflanzen
unter beinahe allen Leuchtstoffröhren, aber eben nicht so gut, wie unter den
Röhren mit den oben genannten Lichtfarben.
Hier ein
Beispiel für eine preiswerte und zugleich qualitativ gute Beleuchtung eines
handelsüblichen, verzinkten Regals im Keller, in dem die Pflanzen ohne
jegliches Tageslicht auskommen müssen:
Wir nehmen an, ein Einzelbord hat die übliche Größe von 150 x 35 cm, was
also etwa einem halben Quadratmeter entspricht. Die Abstände zwischen den
Böden betragen ca. 40 cm. Die Leuchtstoffröhren werden mittels eingeklemmter
Holzleisten direkt unter den Böden angebracht. Der Abstand zwischen den
Röhren und den Pflanzen beträgt nun etwa 25-30 cm (Topfhöhe und
Röhrenhalterung abgezogen). Um 5.000 lx zu erzielen, benötigen wir 75 W, für
7.000 lx ca. 120 W. Für ein Bord knapp ausreichend wäre also eine
Leuchtstofföhre,
besser wären zwei Röhren und optimal drei Röhren mit 150 cm Länge und
jeweils 65 W bei einer Beleuchtungsdauer von etwa 13 Stunden täglich. Wer
mit einer Leuchtstofföhre auskommen möchte, verlängert einfach die tägliche
Beleuchtungszeit auf ca. 15 Stunden. Um den Pflanzen jedoch die unbedingt
benötigte Ruhezeit zu gewähren, darf die Beleuchtungsdauer keinesfalls 18
Stunden überschreiten. Bei größeren Abständen zwischen den Böden, etwa für
hohe Sarracenia oder ältere Nepenthes, wird man mit einer einzelnen
Leuchtstoffröhre also keinesfalls auskommen.
"Wie
feucht soll meine Pflanze stehen?". Schon oft wurde uns diese Frage
gestellt. In keinem Fall konnten wir darauf kurz und bündig antworten, weil
es einfach von zu vielen Faktoren abhängig ist. Natürlich kommt es
hauptsächlich auf die Art an, die man pflegen möchte. Andererseits spielen
aber auch die Lichteinwirkung, die Lufttemperatur, die relative
Luftfeuchtigkeit und vor allem die Wasserkapazität eine große Rolle.
Unter Wasserkapazität versteht man die Menge Wasser, die ein
Substrat in der
Lage ist aufzunehmen. Die Unterschiede sind beachtlich: 1 Liter Sand ist mit
100 ml Wasser bereits gesättigt, 1 Liter Lehm mit 350 ml und 1 Liter Torf
hat erst mit 900 ml Wasser genug. Einen Teil des Wassers hält das Substrat
so fest, dass die Saugleistung der Wurzeln nicht ausreicht, dieses zu
gewinnen. Im Sand sind 70% des vorhandenen Wassers für die Pflanzen
erreichbar, im Lehm rund 55% und im Torf sogar nur etwa 45%. Von den
maximal 900 ml Wasser in einem Liter Torf sind also rund 500 ml nicht
nutzbar! Damit wird verständlich, dass ein für Carnivoren üblicherweise
verwendetes Torfsubstrat mit Ausnahme bei Zwiebeldrosera in der Ruhephase
niemals austrocknen darf. Denn 100 ml Wasser in 1 Liter Sand bedeutet
optimale Wasserversorgung, im Torf bereits gefährlicher Mangel. Die Regel
muss also lauten: Je mehr Torf ein Substrat enthält,
um so höher muss der Feuchtigkeitsgrad sein.
Aus diesem Grund empfehlen sich für unsere Zwecke auf jeden Fall auch
Töpfe aus
Kunststoff, die im Gegensatz zu den Tontöpfen wesentlich weniger Wasser
verdunsten lassen. Genügend Licht vorausgesetzt, können die Töpfe in der
Hauptwachstumszeit ständig in etwa 2-3 cm hohem Wasser stehen. Ausgenommen
hiervon sind Zwiebeldrosera, Pinguicula, Nepenthes und Drosophyllum. Hier
sollte das Substrat möglichst immer nur mäßig feucht gehalten werden.
Während der Ruhephase wird allgemein nur noch vorsichtig nach Bedarf
gegossen. Zwiebeldrosera können dann ganz trocken stehen.
Um eine mögliche Salzanreicherung an der Oberfläche zu vermeiden, kann ab
und zu von oben gegossen werden. Die Temperatur des Gießwassers sollte
möglichst der Umgebungsluft entsprechen, nur bei den nördlichen Arten kann
die Temperatur etwas darunter liegen. Speziell für Darlingtonia ist kühles
Wasser sogar zu bevorzugen.
Trotz der steigenden Umweltverschmutzung ist
Regenwasser nach wie vor
empfehlenswert. Nur sollte man nach einer längeren Trockenperiode abwarten,
bis Luft und Dach sauber gewaschen sind und erst dann mit dem Auffangen des
Wassers beginnen. Sollte das Regenwasser einmal knapp werden, kann
übergangsweise bedenkenlos eine Mischung aus Regen- und Leitungswasser
Verwendung finden. Einige Arten, wie etwa Pinguicula und auch Hochlandnepenthes vertragen dann auch reines Leitungswasser, wenn es nicht
allzu hart ist.
Ist nicht die Möglichkeit gegeben, Regenwasser aufzufangen, kann alternativ auch destilliertes Wasser mit einer Beimengung von etwa 10%
Leitungswasser verwendet werden. Wichtig dabei ist, dass man das destillierte
Wasser nicht in einem Baumarkt oder an einer Tankstelle kauft, sondern aus
einer Apotheke oder Drogerie besorgt. Das ist zwar erheblich teurer, dafür
aber auch unbedenklich. Wir selbst und auch einige unserer Kunden haben
leider schon sehr schlechte Erfahrungen mit "Billigwasser" machen müssen.
Alle Carnivoren sind so genannte Schwachzehrer und brauchen daher
in der Regel auch nicht gedüngt werden. Solange ihnen sporadisch die
Gelegenheit geboten wird, einige Insekten zu fangen, genügt das völlig. Bei
einigen Arten, wie z.B. Sarracenia, die für die Freilandkultur gedacht sind,
raten wir sogar dringend davon ab. Ohne Düngung sind die Pflanzen viel
stabiler und widerstandsfähiger. Einige andere Arten vertragen eine
Düngung aber
recht gut. Wir empfehlen dann aber einen speziellen Carnivoren-Blattdünger
zu benutzen und die angegebene Dosierung nicht zu überschreiten. Das Motto
"Viel hilft auch viel" ist hier völlig fehl am Platz. Alternativ können
vorübergehend auch Bromelien- und Orchideendünger benutzt werden. Beim
Bromeliendünger darf jedoch nur die Hälfte und beim Orchideendünger sogar
nur etwa ein Viertel der angegebenen Dosis genommen werden.
Bei einer Carnivorendüngung sind die nachfolgend aufgeführten Punkte
unbedingt zu beachten:
- Mit der Düngelösung nicht das Substrat gießen, sondern die Pflanzen
hauchzart besprühen.
- Nur in der Wachstumsphase der entsprechenden Pflanzen im Abstand von etwa
2 Wochen düngen.
- Nicht bei starker Sonneneinstrahlung oder großer Hitze düngen.
- Nur gesunde, niemals kränkelnde oder schwächliche Pflanzen düngen.
Eine ganz andere Möglichkeit der Düngung, die wir uns vor
Jahren für unsere Arzneimittelpflanzen erdacht haben, soll hier natürlich
auch nicht verschwiegen werden - die Düngung mit Milch. Dieses lang gehütete
"Geheimnis" ist inzwischen an verschiedenen Stellen veröffentlicht worden,
die genaue Handhabung jedoch nicht. Dies wollen wir hier nun tun:
Zur Verwendung kommt nur H-Milch mit 0,5% Fettgehalt. Hieraus wird eine
Mischung aus 4 Teilen Regenwasser und 1 Teil Milch erstellt. Mit dieser
Mischung (möglich ist auch eine Zugabe des oben genannten "normalen"
Düngers) werden dann die Pflanzen hauchzart besprüht. Nach etwa 2-3 Stunden
wird mit klarem Regenwasser nochmals, aber etwas kräftiger, nachgesprüht.
Dies hat den Grund, Milchrückstände von den Pflanzen zu spülen. Tut man dies
nicht, bilden sich bei feuchtwarmen Klima sehr schnell unerwünschte
Schimmelpilze. Eine Milchdüngung sollte ohnehin möglichst nur für Arten
benutzt werden, die ihre Beutetiere normalerweise mit Hilfe von
Klebetröpfchen fangen (z.B. Drosera und Pinguicula). Bei anderen,
insbesondere Nepenthes und Sarracenia Arten, bleiben oft zu viele
Milchrückstände auf den Pflanzen zurück. Hier kann man aber vor allem bei
Nepenthes auch einfach ein paar Tröpfchen der puren Milch direkt in die
Kannen geben. Ansonsten gelten natürlich auch bei dieser Düngemethode die
oben schon genannten Regeln. Ein Nachteil der Milchdüngung soll aber noch
genannt werden. Da durch das Besprühen auch immer etwas Milch auf das
Substrat kommt, bilden sich hierauf sehr schnell Algen und Moose. Die Moose
überwuchern dann bald klein bleibende Arten wie z.B. die Zwergdrosera.
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